Pandemie und Mobilitätsverhalten

Pandemie und Mobilitätsverhalten © B. Raeder

Pandemie und Mobilitätsverhalten

 

Mit dem Ausbruch der SARS-CoV-2 Krise ist die Mobilitätsnachfrage in ganz Europa dramatisch eingebrochen.

 

Auch in Deutschland weisen Smartphone-Tracking-Daten darauf hin: Zwischen Ende Februar und Ende März 2020 ist die durchschnittliche, täglich zurückgelegte Distanz um 47 % gesunken. Daneben gab es eine deutliche Verschiebung der Verkehrsmittelwahl. In der letzten Februarwoche nahm im Modal Split der Autoverkehr um 6, der Fußgängerverkehr um 3 Punkte zu, der Radverkehr verdreifachte seinen Anteil! Eindeutige Verlierer waren der ÖPNV (minus 5 %punkte, der Fernverkehr der Bahn minus 8%punkte. Auch als Alltagsradler in Bochum war die Zunahme des Radverkehrs unschwer zu beobachten.

Inzwischen sind wir in der 2. Phase der Pandemie und hoffen, dass der zweite Lockdown erfolgreich sein wird und die anschwellenden Impfungen unseren Schutz dauerhaft erhöhen werden. Wann wir mit einem Ausklang der Pandemie rechnen können, lässt sich nicht absehen.

Was bedeutet das für unser Mobilitätsverhalten? Die Nachfrage nach Mobilität wird zum Ende der Krise wieder wachsen. Für die Verkehrsmittelwahl wird das subjektiv wahrgenommene (und reale) Infektionsrisiko aber bedeutsam bleiben. Für den ÖPNV wird es nicht einfach werden, an die gestiegenen Fahrgastzahlen vor Covid19 anzuschließen. Experten vom Mobility Institute Berlin raten zu Angebotserweiterungen, multimodalen Angeboten, einfacher und flexibler Preisgestaltung, dem Vorantreiben der Digitalisierung und dem Aufbau agiler Organisationsstrukturen. (https://mobilityinstitute.com/blog/neues-sars-cov-2-strategiepapier).

Wenn der ÖPNV neben dem Flugverkehr als Verlierer der Pandemie ausgemacht werden kann, wer ist der Gewinner? Nach einer repräsentativen Umfrage des ADAC im November letzten Jahres fällt das Ergebnis uneinheitlich aus:

22 Prozent der Befragten nehmen an, nach der Krise mehr zu Fuß zu gehen, das ist mehr als jeder Fünfte. Das scheint auch damit zusammen zu hängen, dass 75% der Befragten beim Spazierengehen überhaupt kein Ansteckungsrisiko erkennen. Beim ÖPNV sieht die Hälfte der Befragten dagegen ein (sehr) hohes Ansteckungsrisiko.

Jeder sechste Befragte rechnet damit, künftig häufiger Rad zu fahren. Genau so hoch war der Anteil derjenigen, die nach der Krise das Auto häufiger nutzen will. (https://www.adac.de/verkehr/standpunkte-studien/mobilitaets-trends/corona-mobilitaet/)

Welche Schlussfolgerungen legen diese Ergebnisse nahe? Das Gefühl sich mit einem wie auch immer mutierten Coronavirus anstecken zu können, wird uns wahrscheinlich noch lange begleiten. Für den ÖPNV als wichtigen Bestandteil nachhaltiger Mobilität wird dies eine große Herausforderung bedeuten. Dies gilt besonders für Bochum, wenn dem ÖPNV im Bochumer Leitbild Mobilität für die Verlagerungen im Modal Split bis 2030 ein deutlicher Zuwachs zugewiesen wurde. Es erscheint daher sinnvoll, wenn nicht gar zwingend, den Radverkehr schneller und stärker zu fördern, als das im Bewusstsein und Handeln der politisch und administrativ Verantwortlichen in Bochum erkennbar ist.

Zur Erinnerung: Personen, die mit dem Rad fahren, leben in der Regel länger und sind gesünder. Außerdem geben Menschen an, glücklicher zu sein, wenn sie mit dem Fahrrad, statt mit einem anderen Verkehrsmittel zur Arbeit fahren.

Radfahren ist auch für die Wirtschaft von Vorteil. Ein Fahrrad ist günstiger in der Anschaf­fung und im Unterhalt als ein Auto und dadurch für mehr Menschen verfügbar. Geschäfte sind in Gegenden mit einem höheren Radfahranteil häufig erfolgreicher, als in Gebieten, in denen das Auto dominiert. Soweit die Niederländer! https://www.dutchcycling.nl/images/downloads/Dutch_Cycling_Vision_GER.pdf

Neben all seinen gesundheitlichen, sozialen, ökonomischen und klimapolitischen Vorteilen garantiert der Radverkehr eine pandemietaugliche Mobilität, die viele „Aufsteiger“ jetzt schon schätzen gelernt haben und nicht mehr missen wollen.

 

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Häufige Fragen von Alltagsfahrern

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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