ADFC-Fahrradklima-Test 2020

 

Die Gewinner des ADFC-Fahrradklima-Tests 2020 stehen fest. 230.000 Radfahrende bundesweit hatten über die Fahrradfreundlichkeit von 1.024 Städten abgestimmt. Für Bochum gab es einen "blauen Brief".

 

Blauer Brief für Bochum - ADFC präsentiert Ergebnisse des Fahrradklimatests 2020 

„Versetzung gefährdet, hier ist ein blauer Brief erforderlich!“ So kommentiert der ADFC Bochum das Ergebnis des Fahrradklimatests 2020. Alle zwei Jahre erhebt der ADFC bundesweit für alle Kommunen den Zufriedenheits-Index der Radfahrenden. An der Onlinebefragung in Bochum haben sich 643 Bürger*innen beteiligt. Das Ergebnis hat sich gegenüber der Befragung von 2018 stabil auf unterdurchschnittlichem Niveau gehalten. Als Gesamtnote gibt es eine vier minus, also dringender Handlungsbedarf, dafür hätten manche Eltern ihren Kindern mehr Disziplin und Nachhilfe verordnet. 

Im Vergleich zu den 26 Kommunen zwischen 200.000 und 500.000 Einwohnern nimmt Bochum den 16. Rangplatz ein - unteres Mittelfeld. Das darf aber der aufstrebenden Stadt Bochum mit hohen Ambitionen nicht genügen. Die Universitäts- und Wissensstadt muss sich am Spitzenreiter Karlsruhe messen, der ein befriedigend erreicht hat.

In 27 Disziplinen wurden die Bürger*innen nach ihrer Einschätzung gefragt. In nur drei Disziplinen ist Bochum besser eingestuft als die anderen 25 Städte, in 24 Disziplinen liegt sie unter bis weit unter dem Durchschnitt. Das Befragungsergebnis bestätigt das Bild, das die Radfahrverbände ADFC und Radwende seit Jahren kritisieren.

Aber im Einzelnen: In der wichtigsten Kategorie wurde der Stellenwert des Radverkehrs in der Stadt mit der Note 4,6, also fünf plus bewertet und liegt damit unterhalb des bundesweiten Durchschnitts von 4,01. Für 58% der Befragten ist Radfahren in der Stadt eher mit Stress verbunden, 42% geben an, dass Radfahren Spaß macht. Dafür gibt es Gründe. Die Akzeptanz der Radfahrer als Verkehrsteilnehmer wird von 72 % negativ eingeschätzt, nur 27 % fühlen sich akzeptiert. Ein Grund liegt z. B. in der mangelnden Falschparkerkontrolle auf Radwegen. Fünf minus lautet hier die Note, 88% vermissen eine regelmäßige Kontrolle der Falschparker auf Radwegen. Auch bei der Reinigung der Radwege und bei Ampelschaltungen für den Radverkehr schneidet Bochum im bundesweiten Vergleich deutlich schlechter ab. Diese wird von den Bürger*innen mit 71 % bzw. 81 % negativ eingestuft. 84 % der Befragten bemängeln Konflikte mit dem Kraftfahrzeugverkehr, das Sicherheitsgefühl im Stadtverkehr wird von 82 % der befragten Bürger*innen negativ eingeschätzt.

 

Auffällig im Städtevergleich ist die Bewertung der Erreichbarkeit des Stadtzentrums, hier erreicht Bochum einen der schlechtesten Werte im Vergleich der Großstädte.

Es gibt aber auch drei Bewertungen, die über dem Durchnitt der Vergleichsstädte liegen: Punkten kann Bochum mit der Wegweisung für Radfahrer sowie mit den Leihradsystemen. Auch der Diebstahl von Fahrrädern scheint ein geringeres Problem zu sein im Vergleich zu den übrigen Städten.

Die Befragung 2020 enthielt Zusatzfragen zum Thema Radfahren in der Pandemie. Hier gaben 75 % der Bochumer*innen eine gestiegene Bedeutung des Radfahrens an. Es wurde mehr gefahren und mehr erkundet: 59 % haben neue Radziele entdeckt. Vermisst wurden von 86 % der befragten Bochumer*innen handfeste Radsignale von der Politik. Hier waren  beispielhaft gefragt provisorische Popup-Radfahrstreifen, neue Fahrradstraßen,  verkehrsberuhigte Zonen, Poller gegen Autodurchfahrten, kostenloser Fahrradverleih etc.

Im Gesamtresümee ist festzustellen, dass nach Einschätzung der befragten Bürger*innen in Bochum kein Fortschritt für den Radverkehr in den letzten Jahren erzielt wurde. „Die aktuell veröffentlichte Unfallstatistik 2020 weist sogar deutlich gestiegene Unfallzahlen mit Rad und Pedelec aus: 313 Rad- und Pedelcfahrer verunglückten 2020. Das sind 70 mehr als 2019 und entspricht einer Zunahme von 29 %.  Kein Wunder, dass 82 % der befragten Bürger*innen das Sicherheitsgefühl im Stadtverkehr negativ einschätzen," kommentiert der ADFC-Bochum. „Es ist höchste Zeit, dass sich die Stadt den ,Sorgenkindern', wie Polizeidirektor Frank Nows es bei der Präsentation der Unfallzahlen formulierte, annimmt. Nimmt sie ihre Sorgfaltspflicht eigentlich ernst genug?“

Die Stadt Karlsruhe, Spitzenreiter dieser Gruppe, zeigt, dass sie mit ihrem „20-Punkte-Programm zur Förderung des Radverkehrs in Karlsruhe“ von 2005 deutlich das Fahrradklima in der Stadt verbessern konnte. Der strategische Ansatz und der systematische Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur haben sich dort ausgezahlt.  Es gibt in Bochum einen erheblichen Nachholbedarf, auch wenn die Bochumstrategie markige Begriffe wie „BOvelo" kreiert hat und das Thema Mobilität ausgiebig in Bürgerforen diskutiert wurde. Es mangelt bisher an einer klar definierten erkennbaren Umsetzungsstrategie. „Und als einziges Zeichen für den stark zugenommenen Radverkehr in der Corona Pandemie eine Fahrradwaschanlage in der City zu präsentieren, gleichzeitig aber das Parken von Autos in der Innenstadt zu subventionieren ist offensichtlich zu wenig für mehr Sicherheit im Radverkehr und für gute Noten,“ so der ADFC-Bochum. 

Informationen des Bundesverbandes gibt es hier: ADFC-Fahrradklima-Test 2020


https://bochum.adfc.de/neuigkeit/adfc-fahrradklima-test-2020-5

Häufige Fragen von Alltagsfahrern

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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