Velorouten in Bochum: Konzept konsequent umsetzen statt verwässern
Am 4. März lud die Stadt Bochum im Rahmen ihrer Stadtgespräche zu Vorträgen und Diskussionen über Velorouten ein. Vorgestellt wurden dabei auch mögliche Verbesserungen für den Radverkehr durch den neuen „Radprofessor“ David Kohlrautz.

Knapp drei Jahre nach der Verabschiedung des Bochumer Radverkehrskonzepts zeigt sich jedoch: Die Umsetzung der Velorouten kommt nur schleppend voran – und droht in zentralen Punkten verwässert zu werden.
Velorouten sollten ursprünglich ein zentraler Baustein der Bochumer Radverkehrsförderung sein. Ziel war es, schnelle und sichere Radverbindungen zu schaffen, die möglichst abseits stark befahrener Hauptstraßen verlaufen und auch weniger erfahrene Radfahrer:innen zum Umstieg aufs Fahrrad bewegen. Laut Radverkehrskonzept sollen Velorouten Strecken sein, auf denen Radfahrende Vorrang haben, die möglichst steigungsarm sind und eine durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit von rund 25 km/h ermöglichen.
Dafür wären jedoch klare Prioritäten nötig – auch zulasten von Parkplätzen im öffentlichen Raum.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen jedoch, dass genau hier der politische Konflikt liegt. Die erste Veloroute von der Innenstadt nach Riemke erfüllt bislang nur auf etwa 50 Prozent der Strecke die im Radverkehrskonzept 2023 festgelegten Mindeststandards. Auch nach zwei Jahren ist der Bau des ersten Abschnitts noch nicht abgeschlossen.
Zentrale Ursache sind Konflikte um den Wegfall von Parkplätzen. Während das Radverkehrskonzept eigentlich eine klare Priorisierung des Radverkehrs vorsieht, sprechen sich insbesondere SPD und CDU immer wieder für den Erhalt von Stellplätzen im öffentlichen Raum aus. Solche Positionen stehen im Widerspruch zu den beschlossenen Zielen der Stadt. Der ADFC erwartet hier eine klare politische Klärung im Rat.
Auch bei der Qualität der Infrastruktur zeigen sich Defizite. So fehlt auf Teilen der Strecke weiterhin eine durchgehende Trennung zwischen Rad- und Fußverkehr – obwohl diese zu den Mindeststandards gehört.
Ähnliche Probleme zeichnen sich bereits bei weiteren Velorouten ab. Auch das Tiefbauamt räumte ein, dass die Planungen schwierig bleiben. Die vorgesehene Trasse der Veloroute 2 von der Innenstadt nach Langendreer enthält mehrere kritische Abschnitte. Dort wird die geplante Mindestbreite unterschritten, zudem sollen Rad- und Fußverkehr teilweise gemeinsam geführt werden – obwohl dies laut Konzept eigentlich vermieden werden soll. Eine mögliche Verbesserung könnte erst mittelfristig im Zuge der geplanten Renaturierung des Langendreer Bachs entstehen.
Dabei zeigen Untersuchungen deutlich, welche Infrastruktur Menschen tatsächlich zum Radfahren bewegt. Bei einer Evaluation verschiedener Führungsformen erreichte der baulich getrennte Radfahrstreifen mit 98 Prozent die mit Abstand höchste subjektive Sicherheit. Andere Lösungen lagen nur bei rund 75 Prozent. Genau dieses letzte Viertel potenzieller Radfahrer:innen soll jedoch durch die Schaffung von Velorouten erreicht werden. Auf die Frage aus dem Publikum, warum solche Lösungen dennoch nicht konsequent umgesetzt werden, verwies die Verwaltung auf die Zwänge der Planung im bestehenden Straßenraum.
Dabei zeigen Beispiele aus anderen Städten, dass auch entlang von Hauptstraßen sichere Radinfrastruktur möglich ist. In Bochum selbst wurde dies auf der Essener Straße bereits umgesetzt. Auch die Herner Straße bietet auf Herner Stadtgebiet einen breiten und sicheren Radfahrstreifen.
Professor Dr.-Ing. David Kohlrautz betonte in seinem Vortrag zudem, dass eine erfolgreiche Verkehrswende nicht allein durch neue Angebote erreicht werden kann. Neben sogenannten Pull-Faktoren – also dem Ausbau attraktiver Radinfrastruktur – brauche es auch Push-Faktoren. Dazu gehören sichere Kreuzungen, klare Regeln sowie die Reduzierung des Straßenrandparkens und eine konsequente Parkraumbewirtschaftung.
Aus dem Publikum wurden darüber hinaus zahlreiche Probleme der bestehenden Infrastruktur angesprochen: gefährliche Kreuzungen, etwa im Bereich des Schauspielhauses, sowie schlechte Fahrbahnbeläge mit vielen Schlaglöchern. Solche Mängel halten viele Menschen weiterhin vom Radfahren ab.
Auch ein Blick auf andere Städte zeigt, wie wichtig sichere Infrastruktur ist. In Städten mit unzureichenden Radwegen nimmt der Radverkehr bei Regen deutlich ab. Anders ist dies in den Niederlanden oder in Kopenhagen: Dort radeln die Menschen bei jedem Wetter, der Radverkehrsanteil bleibt nachzu gleich – ein Zeichen dafür, dass Menschen auch dann Rad fahren, wenn sie sich sicher fühlen.
Für den ADFC ist deshalb klar: Velorouten können ein wichtiger Baustein der Verkehrswende in Bochum sein. Voraussetzung ist jedoch, dass das beschlossene Radverkehrskonzept konsequent umgesetzt wird – und nicht aus Rücksicht auf Parkplätze Schritt für Schritt abgeschwächt wird.

