Verkehrsunfallstatistik 2025: Wieder Anstieg der Radunfälle - ADFC Bochum

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Kreisverband Bochum e. V.

Radfahrerin zwischen Autos

Radfahrerin zwischen Autos © ADFC_April Agentur

Verkehrsunfallstatistik 2025: Wieder Anstieg der Radunfälle

Am 11. März 2026 wurde die Verkehrsunfallstatistik 2025 veröffentlicht. Bei 34 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden sind Radfahrer:innen betroffen. Wir fordern eine bessere Radinfrastruktur und eine sensiblere Sprache in Unfallberichten.

Die Situation in NRW

Die Zahl der in Nordrhein-Westfalen verunglückten Radfahrenden ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Während die Gesamtzahl der im Straßenverkehr Getöteten um 6 auf 479 Menschen zurückging, erhöhte sich die Zahl der getöteten Rad- und Pedelecfahrenden von 80 auf 106. Der ADFC NRW bewertet diesen Anstieg als alarmierend. In rund zwei Dritteln der Unfälle zwischen Fahrrädern und motorisiertem Verkehr sind Autofahrer:innen die Hauptverursachenden. Sie selbst sind durch zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen im und am Fahrzeug zunehmend besser geschützt.

Laut Innenminister handelt es sich bei 28 Prozent der Personenschäden um ein „Verunglücken ohne Fremdeinwirkung“. ADFC und der VCD weisen jedoch auf Nachfrage des WDR darauf hin, dass bei vielen dieser sogenannten Alleinunfälle eine mangelhafte Infrastruktur eine Rolle spielt: plötzlich endende Radwege, hohe Bordsteinkanten, Radwege entlang von Straßenbahnschienen oder eine unzureichende Pflege der Wege.

Innenminister Herbert Reul betont in seiner Stellungnahme, dass der Straßenverkehr zunehmend dichter und vielfältiger werde. Mehr Verkehr treffe auf gleichbleibenden Raum. Dass ein wachsender Teil dieses Raumes durch abgestellte Pkw – den so genannten „ruhenden Verkehr“ – blockiert wird, spielt in dieser Bewertung allerdings kaum eine Rolle.

Im Rahmen der landesweiten Initiative #sicherimStraßenverkehr hat der ADFC NRW bereits am 5. März den Arbeitskreis Radverkehrssicherheit initiiert. Ziel des Arbeitskreises ist es, Empfehlungen für mehr Sicherheit von Radfahrenden zu entwickeln. Ein zentraler Arbeitsschwerpunkt wird die Erarbeitung von Maßnahmen zur Umsetzung der Vision Zero sein – also eines Straßenverkehrs ohne Getöteten und Schwerverletzte.

Die Situation in Bochum

Auch in Bochum wurde die Verkehrsunfallstatistik 2025 am 11. März im Rahmen einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium vorgestellt.

"In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass sich eine zunehmende Anzahl von Verkehrsteilnehmenden rücksichtslos und teilweise aggressiv im Verkehr bewegt. Sie setzen sich über Regeln hinweg und gefährden nicht nur sich selbst, sondern auch andere“, erklärte Polizeipräsidentin Christine Frücht zur Situation auf Bochums. Auch im Jahr 2025 seien vor allem ungeschützte Verkehrsteilnehmende von schweren Unfallfolgen betroffen – Menschen, die zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Im Jahr 2025 registrierte die Polizei in Bochum 910 Verkehrsunfälle mit Personenschaden – 24 mehr als im Vorjahr (+2,71 %). Besonders deutlich ist der Anstieg bei Menschen auf dem Fahrrad oder Pedelec. Ihre Zahl stieg von 236 auf 254 (+7,63 %). Damit stellen Radfahrende inzwischen 23,5 Prozent aller Verunglückten im Sraßenverkehr in Bochum.

Ein sogenanntes Ghostbike mussten wir im Jahr 2025 dennoch nicht aufstellen. Insgesamt gab es drei Verkehrstote:

  • ein Fußgänger, der beim Überqueren einer Straße mit einer Straßenbahn kollidierte,
  • ein Autofahrer, der beim Linksabbiegen den Vorrang einer Straßenbahn missachtete,
  • sowie ein Radfahrer, der infolge eines internistischen Notfalls verunglückte.

Dass jedoch fast ein Viertel der Verunglückten mit dem Fahrrad unterwegs war, obwohl Radfahrende nur rund 8 % der  Verkehrsteilnehmenden ausmachen, zeigt deutlich: Die Verkehrsinfrastruktur in Bochum bleibt unsicher. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Solange Radfahrende sich den Raum mit schnell fahrenden Menschen am Steuer oder Fußgänger:innen teilen müssen und Kreuzungen nicht sicher umgestaltet werden, bleibt das Risiko hoch. Wer die Verkehrssicherheit verbessern will, muss die Geschwindigkeit senken, getrennte Verkehrsflächen konsequent umsetzen und fehlertolerierende und qualitativ hochwertige Radwege schaffen.

Unfallursachen

Die häufigsten Ursachen für Verkehrsunfälle mit Personenschaden in Bochum im Jahr 2025 waren:

  • Missachtung der durch Verkehrszeichen geregelten Vorfahrt
  • Unterschreiten des erforderlichen Sicherheitsabstands
  • Fehler beim Linksabbiegen

Als Unfallhäufungsstellen mit Radbeteilung nennt die Polizei für 2025 folgende Orte:

  • Südring/Viktoriastraße
  • Universitätsstraße/Brenscheder Straße/Auf dem Alten Kamp
  • Südring/Kurt-Schumacher-Platz/Universitätsstraße
  • Wattenscheider Hellweg/Höntroper Straße/Westenfelder Straße
  • Kreisverkehr Kohlenstraße/Obere Stahlindustrie

Sensiblere Sprache in Unfallberichten

Die Polizei Bochum setzt zur Unfallprävention weiterhin auf ein „konsequentes Vorgehen gegen regelwidriges Verhalten“. Der ADFC wünscht sich in diesem Zusammenhang auch eine konsequentere Verfolgung von Verstößen gegen den vorgeschriebenen Mindestabstand beim Überholen von Radfahrerenden. Es darf nicht dauerhaft darauf verwiesen werden, dass hierfür keine geeigneten Messinstrumente vorhanden seien.

Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt ist die Sprache in Unfallberichten von Polizei und Medien. Eine vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat ausgezeichnete Masterarbeit zum Thema „Framing in der Verkehrsunfallberichterstattung“ zeigt, wie stark die Wahrnehmung von Unfällen durch Wortwahl geprägt wird. Polizeirat Jan Nordhoff untersuchte unter anderem, aus welchen Perspektiven Unfallberichte formuliert werden. Dabei stellte er fest, dass viele Berichte das tatsächliche Geschehen verharmlosen und so die Wahrnehmung verzerren. Häufig verwendete Formulierungen wie „übersehen“ relativierten das Geschehen und erzeugen Verständnis für Unfallverursachende – nach dem Motto: „Das kann ja mal passieren“.

Täglich sterben auf deutschen Straßen durchschnittlich acht Menschen, viele weitere werden schwer verletzt. Dennoch werden diese Ereignisse oft als unvermeidbare Begleiterscheinung des Straßenverkehrs hingenommen. In Berichten ist häufig vom „Auto“ die Rede – oft sogar von der Automarke. Der Mercedes oder der VW „verursacht“ den Unfall. Der Mensch am Steuer bleibt unsichtbar. Ebenso in Formulierungen wie: „Der Radfahrer fuhr gegen eine geöffnete Autotür.“ Wer die Tür geöffnet hat, bleibt unerwähnt.

Nordhoff empfiehlt deshalb, in Unfallberichten stärker die Personenschäden zu beschreiben und die Folgen für die Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen. Sachschäden sollten erst am Ende erwähnt werden. „Im Framing-Prozess kann die Polizei direkten Einfluss auf die Emotionen und kognitiven Urteilsprozesse der Bürgerinnen und Bürger zu Verkehrskollisionen nehmen“ so Nordhoff. Eine bewusstere Sprache könne daher auch zur Unfallprävention beitragen.

Unser Fazit

Die Vision Zero – also ein Straßenverkehr ohne Getötete und Schwerverletzte – wird nur erreichbar sein, wenn der Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmenden endlich zur Priorität wird. Sichere Infrastruktur rettet Leben.

Eine sensiblere Sprache in der Unfallberichterstattung kann diese Verkehrssicherheitsarbeit zusätzlich unterstützen. Medien sollten Polizeiberichte daher nicht einfach eins zu eins übernehmen, sondern auch die Darstellung und Perspektive kritisch hinterfragen.

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