
ADFC Bochum begutachtet Radfahrinfrastruktur in der City
Der ADFC Bochum hat Anfang März den Innenstadtbereich befahren, um gemeinsam nicht radfreundliche und teilweise gefährliche Problembereiche zu sichten und Vorschläge zu erarbeiten, wie diese besser gestaltet werden können.
Dabei zeigen Untersuchungen in verschiedenen Städten, dass Innenstädte von Radverkehr profitieren. Radfahren ist zudem auf Strecken bis 5 km die schnellste Mobilitätsform. In Bochum müsste dafür die sichere Erreichbarkeit und die Befahrbarkeit des Rings hergestellt werden. Der ADFC begutachtete deshalb die Zufahrten zum Ring, das sogenannte „Radkreuz“ und die Verkehrssituation innerhalb des Rings. Einige der Radialen führen zwar Radwege bis zur Innenstadt, sind aber viel zu schmal und enden meist 600 Meter hinter dem Ring. Der Ausbau ist hier dringend geboten, sonst ist es für viele Bochumer:innen weiter eine Mutprobe mit dem Rad in die Innenstadt zu fahren.
Dooring-Gefahr an der Dorstener Straße
Besonders problematisch ist die gefährliche Dorstener Straße. Der viel zu schmale Radweg hat keinen Sicherheitstrennstreifen, sodass es bereits zu zahlreichen sogenannten Dooring-Unfällen kam. Hier braucht es mittelfristig einen Umbau der Straße. Kurzfristig könnte schon Tempo 30 wie auf der Herner Straße helfen.
Dafür hat der ADFC Bochum kürzlich bereits zusammen mit dem VCD und dem Bündnis Radwende bereits einen Bürgerantrag an die Stadt gestellt.
Königsallee/Viktoriastraße versus Castroper Straße
Zwischen Schauspielhaus und Rathaus gibt es auf der Königsallee bzw. der Viktoriastraße nicht weniger als 17 verschiedene Radverkehrsführungen auf nur 700 Metern. Das sorgt für Stress bei allen Verkehrsteilnehmer:innen und so zu erhöhten Unfallgefahren. Hier sieht der ADFC als einfache Lösung je zwei der vier Autospuren in durchgehende Radwege umzuwandeln.
Ein gutes Beispiel ist hingegen der, vor Kurzem fertiggestellte, neue breite Radweg auf der Castroper Straße.
Der Innenstadtring – komplett ohne Radweg
Auf dem komplett radweglosen Ring brauchen Radfahrer:innen sehr viel Mut um sich in die chaotische Verkehrssituation aus zweispurigen Fahrbahnen, ständig wechselndem Autoverkehr, Parken auf dem rechten Fahrstreifen usw. einzufädeln. Der Südring führt z.B. zum Bermudadreieck, um den gesamten Ring herum wohnen und arbeiten Menschen, es gibt Geschäfte, Restaurants, Cafés, Kulturorte und öffentliche Einrichtungen – es muss möglich werden all dies mit dem Rad zu erreichen. Mittelfristig fordert der ADFC einen durchgängigen Radweg auf dem Ring. Bisher ist lediglich ein Radweg auf dem Südring in Planung.
Problembereich Kreuzungen
Große Probleme machen bisher auch die Kreuzungen am Ring. So an der Kreuzung Universitätsstraße/Ring, an der das Abbiegen auf den Ring derzeit gefährlich und umständlich ist. Die Straßen innerhalb des Rings sind von der Unistraße legal nicht erreichbar. Mit dem geplanten Umbau des Südrings sollte das sichere Abbiegen hier ermöglicht werden. Noch problematischer ist die Verkehrsführung an der Ecke Süd-Ring/Viktoriastraße.
Nur an der Castroper Straße - einer von zehn Radialkreuzungen - gibt es für Radfahrer:innen die Möglichkeit links abzubiegen.
Neue Konfliktstelle am neu geplanten Husemannplatz
Innerhalb des Rings droht mit der Kappung der Viktoriastraße in Höhe des bald erweiterten Husemannplatzes eine neue Konfliktstelle. Hier soll eine Fußgängerzone entstehen gleichzeitig aber der gesamte Platz für Radfahrer:innen geöffnet werden. Diese absurde Planung muss gestoppt werden. Der Husemannplatz sollte Fußgänger:innen vorbehalten werden. Radfahrer:innen sollten weiter über einen vier Meter breiten Radfahrstreifen auf der Viktoriastraße queren können. So ist ja die Idee des „Radkreuzes“, das die Stadt Bochum 2023 geschaffen hat, auch gedacht – als durchgängiger Radweg.
Autoverkehr auf dem für Durchgangsverkehr gesperrten „Radkreuz“
Besonders problematisch ist der illegale Durchgangsverkehr durch die Innenstadt am „Radkreuz“: Zuletzt zählte der ADFC in zwei Stunden über 200 illegale Durchfahrten am Radkreuz am Rathaus, Ecke Willy-Brandt-Platz/Viktoriastraße/Massenbergstraße/Hans-Böckler-Straße. Unser Vorschlag ist die Einrichtung von funkgesteuerten Pollern am Willy-Brandt-Platz, wie sie in anderen Städten bereits existieren. Diese verhindern Durchgangsverkehr vom Ring, lassen aber Einsatzkräfte, Anlieferer, Busse sowie Anwohner:innen durch und können zudem auch gegen Anschläge mit Autos schützen.
Viele Städte haben bereits erkannt, dass die Zukunft der Innenstadt in Verkehrsberuhigung, guter Radweginfrastruktur und fußgängerfreundlicher Zugänglichkeit liegt. Auch die Stadt Bochum muss zu dieser Einsicht kommen – darauf wird 2025 der Fokus unseres Engagements liegen!