OB Thomas Eiskirch beim Sommergespräch am 30.07.2021

OB Thomas Eiskirch beim Sommergespräch am 30.07.2021 © ADFC Bochum

Drei Fragen an OB Thomas Eiskirch für das Magazin „FreiRad“

 

Der ADFC hatte am 30.07. Gelegenheit, im Rahmen der Sommergespräche mit dem Oberbürgermeister Thomas Eiskirch einen ausführlichen Austausch zur Entwicklung des Radverkehrs in Bochum zu führen.

 

Drei zentrale Fragen überreichten wir schriftlich dem OB, die er zusagte zu beantworten. Leider blieben die Fragen bis zum Redaktionsschluß trotz mehrmaliger Ankündigung unbeantwortet. Einen Tag nach der Beauftragung des Drucks von FreiRad 06 wurden dem ADFC die Antworten zugesandt. Hier die Beantwortung der Fragen durch Oberbürgermeister Thomas Eiskirch:

FreiRad: Herr Eiskirch, 2019 haben Sie in einem Interview für unser Magazin „FreiRad“ gesagt, „Fahrradfahren wird einfach in Bochum“. Die deutlich zunehmende Radfahrgemeinde fragt sich, wann denn endlich? Die sichtbaren Anstrengungen reichen bei weitem nicht aus, um die Potentiale auszuschöpfen.

Thomas Eiskirch: Dass Sie die Anstrengungen in Bochum sehen, freut mich. Und ja, es passiert gerade sehr viel in Bochum zum Thema Radverkehr, im Kleinen wie im Großen. So wollen wir etwa in diesem Jahr noch zahlreiche Sofortmaßnahmen umsetzen, die das Radfahren in Bochum schnell und unkompliziert besser machen. Diese Maßnahmen reichen von weiteren Anlehnbügeln, die Beseitigung von Wurzelschäden auf der Springorumtrasse oder von zusätzlichen Beschilderungen bis hin zur Umgestaltung der Kreuzung Lothringentrasse und Werrastraße.

Im Großen stehen bei uns die City-Radialen mit einem besonderen Fokus auf die Innenstadt auf der Agenda. Hier werden in den kommenden Jahren gravierende Veränderungen zugunsten des Radverkehrs erkennbar werden. So beginnen wir 2023 mit der Errichtung des so genannten Fahrradkreuzes, dem zentralen Fahrradknotenpunkt in der Innenstadt. Auf dem Südring werden wir zeitnah auf Kosten von PkW-Parkflächen zusätzliche Verkehrsflächen für den Radverkehr schaffen, dies galt lange Zeit als undenkbar. Heute setzen wir uns ganz klar das Ziel, Bochums Innenstadt innerhalb des Rings autoarm zu gestalten.
Wir untermauern mit diesen Maßnahmen die Entschlossenheit, Bochum weiter zur fahrradfreundlichen Stadt zu entwickeln.

FreiRad: Die Corona Pandemie hat den Trend zum Fahrradfahren noch einmal deutlich angeheizt. Muss nicht auch auf Seiten des Infrastrukturausbaus deutlich mehr in Personal und Finanzen investiert werden? – RS1 z.B., bisher ist in Bochum von den 17 km kein Meter fertiggestellt.

Thomas Eiskirch: Ganz klar – mehr Geld und mehr Personal helfen immer. Und aktuell investieren wir ja auch merklich in dieses Thema, sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite. So haben wir als Stadt Bochum bereits im Jahr 2019 über 5,6 Mio. Euro in den Ausbau der Bochumer Radverkehrsinfrastruktur gesteckt, das entspricht über 15 Euro pro Einwohner*in. Damit sind wir im Vergleich zu anderen Städten schon sehr weit vorne. Gleichwohl wollen wir im kommenden Haushalt diese Ausgaben noch weiter steigern, angestrebt sind dann in den nächsten Jahren mindestens 20 Euro pro Einwohner*in. So steht es im Koalitionsvertrag. Um die Umsetzung zu beschleunigen, werden wir darüber hinaus eine Infrastrukturgesellschaft gründen, die sich mit der Planung, Realisierung und Inbetriebnahme von Projekten u.a. zum Radwegebau beschäftigen wird.

Beim RS1-Bau werden wir dieses Jahr den ersten Teilabschnitt eröffnen können. Bei den weiteren Baumaßnahmen sind wir auch beispielsweise vom Landesbetrieb Straßen.NRW abhängig, für den wir außerhalb der Innenstadt tätig werden. Innerhalb der Innenstadt hat sich die Routenwahl als komplexer herausgestellt als wir alle angenommen hatten. Zurzeit wird eine Beschlussvorlage mit einem Trassenvorschlag für die Innenstadt vorbereitet, der in der zweiten Jahreshälfte der Politik vorgelegt werden kann. Und ich glaube, dass sich hier die nochmalige intensive Bearbeitung auf jeden Fall gelohnt hat und wir zu einer guten Lösung kommen werden.

FreiRad: Die Unfallzahlen von Fahrradfahrer*innen sind leider deutlich angestiegen. Mit welchen Maßnahmen reagiert die Stadt auf die Zunahme?

Eines ist sicher - jeder Unfall mit Personenschaden ist einer zu viel. Wo immer wir feststellen, dass mehrere ähnliche Unfälle an einer Stelle oder auf einer Strecke passieren, schauen wir uns die Situation genau an und nehmen mögliche Anpassungen vor. Die Autobahnabfahrten der A40 an der Herner Straße sind solch eine Stelle. Hier gab es leider mehrere Unfälle zwischen Kfz- und Radfahrenden, weswegen wir hier jetzt eine neue Ampelanlage installieren werden. An anderen Stellen werden und wurden kritische Stellen neu in rot markiert. Ein sicher bekanntes Beispiel ist der Radweg an der Hans-Böckler-Straße. Seitdem der Weg neu in rot markiert wurde, halten sich mehr Autofahrende an die Verkehrsregeln und parken nicht mehr so häufig auf dem Weg.

Man muss allerdings in diesen Fällen auch immer auf die Ursachen schauen. So fahren im Vergleich zu den letzten Jahren einfach mehr Menschen mit dem Fahrrad, dabei ist der Anteil von Pedelecs deutlich gestiegen.

Damit komme ich noch einmal zurück auf unsere Sofort- Maßnahmen: Mit diesen Maßnahmen wollen wir natürlich auch die Unfallzahlen drastisch reduzieren, mit einer besseren Beschilderung, deutlichen Markierungen, Verbesserungen in den Fahrbahnoberflächen oder der Optimierung von Sichtbeziehungen können viele Unfälle vermieden werden.

Das Interview mit dem Oberbürgermeister  möchten wir duch eine kleine Fotogeschichte ergänzen.
Zitat im obigen Interview: „Und ja, es passiert gerade sehr viel in Bochum zum Thema Radverkehr, im Kleinen wie im Großen.“

Unsere Anmerkung dazu:

 

Feststellung: Manches verändert sich offensichtlich nicht!
Oder: Gemessen an dem schnellen Einschreiten der Bochumer Ordnungskräfte beim verbotswidrigen Halten und Parken, welches sich ja meistens nur über einen kurzen Zeitraum eines Tages erstreckt:

Wie hoch müsste wohl ein Bußgeld sein, wenn ein Radfahrstreifen über Monate blockiert wird (dies an einer Stelle nach einer Rechtskurve wo auch gerne ein bisschen schneller als die erlaubten 50 km/h gefahren wird.)?

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https://bochum.adfc.de/artikel/drei-fragen-an-ob-thomas-eiskirch-fuer-das-magazin-freirad-1

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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